Das war der Fachtag TZI in der Schule 2019

Mehr als 100 Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten diskutierten am 9. November 2019 mit Professor Hartmut Rosa beim 5. Fachtag TZI in der Schule mit dem Thema: „Auf die ART der Beziehung kommt es an. Resonanzpädagogik und TZI verbinden".

In der Einleitung führte Klaus Ritter kurz in die Grundüberzeugungen und methodischen Elemente der Themenzentrierten Interaktion ein. Die TZI ermöglicht effektives und lebendiges Lernen und Arbeiten, indem sie die Arbeit an Inhalten, die am Lernen beteiligten Personen, den Gruppenprozess und den Bedingungsrahmen im Blick hat. Besonders anschaulich wurde dies, als die Achsen im Vier-Faktoren-Modell plötzlich in Schwingung kamen.

Hartmut Rosa, Professor für Soziologie an der Universität Jena und Autor des Buches "Resonanzpädagogik" skizzierte seine Überlegungen zu Entfremdung und Resonanz. Entfremdung beschreibt den Zustand, in dem ich mich frage: „Was mache ich hier eigentlich?“ und ich die Welt als stumm, starr und indifferent erlebe. Resonanz bezeichnet einen konträren Beziehungsmodus: Ich werde von etwas berührt, reagiere darauf und dieser Vorgang verändert mich. Resonanz beinhaltet vier Komponenten - Affektion, Emotion, Transformation und die Unverfügbarkeit. Ob in einer Resonanzpädagogik Unterricht gelingt, ist erkennbar an den „leuchtenden Augen“ von Lernenden und Lehrenden oder „wenn es im Klassenzimmer knistert“.

Im anschließenden Gespräch im Fishbowl mit Hartmut Rosa, der TZI-Lehrbeauftragten Irene Klein und der Schulleiterin Gabi Doderer bekam auch das Plenum die Möglichkeit, seine Resonanzen und Dissonanzen zum Gehörten mitzuteilen. Es entstand ein intensives Gespräch über Gemeinsames und Ergänzendes zwischen Resonanzpädagogik und TZI. Durchaus kritisch wurde die ausschließliche Kompetenzorientierung in der gegenwärtigen Bildungspolitik betrachtet, die bisweilen die Machbarkeit von Bildungsprozessen suggeriert. Hartmut Rosa betont dagegen die Unverfügbarkeit von Resonanzbeziehungen und gibt zu bedenken, dass „Bildung nicht bedeutet, Welt zu beherrschen, sondern die Beziehung zur Welt zu verändern“.


Am Nachmittag des Fachtags nahmen die Teilnehmenden in verschiedenen Workshops Aspekte der TZI genauer unter die Lupe und setzten sie mit den Gedanken des Vormittags und ihrer eigenen Praxis in Beziehung.

Andere zum Schwingen bringen und selbst Mitzuschwingen - darum geht es im Schulalltag und auch in anderen Bereichen. Lernen können wir jeden Tag neu voneinander - wenn wir uns interessieren, uns dem Neuen gegenüber öffnen und zulassen, dass es uns berührt.

Am Ende des Tages gab es viele leuchtende Augen und strahlende Gesichter. Die zahlreichen Rückmeldungen zeigen bereits jetzt: Der Tag wirkt noch nach. Für viele ist jetzt schon klar: Beim nächsten Fachtag am 21. November 2020 werden sie wieder dabei sein. Dann geht es um „Scham und Würde in der Schule“.